Strom und Gas

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Gespeichert von Mareike Sassens... am 16. Februar 2016

Strom und Gas

Energie einsparen, Kosten senken, Energiearmut bekämpfen

Der Energiemarkt wurde in Deutschland am 29. April 1998 liberalisiert. Die Aufhebung der Monopolstellung in der Energieversorgung für Strom und Gas kam einer Revolution in der Energiebranche gleich.

Der Strompreis, den Sie als Kunde bei Ihrem Lieferanten bezahlen, setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen:

  • Kosten für die Strombeschaffung (Erzeugung oder Einkauf), den Vertrieb und Gewinnmarge (insgesamt 24,7 %)
  • Steuern (22,9 %): diese beinhalten die Mehrwertsteuer (16 %) und die Stromsteuer (6,9 %)
  • Nettonetzentgelt (20,5 %): Das Netznutzungsentgelt
  • Messung, Messstellenbetrieb und Abrechnung (2,2 %): Entgelte für die Kosten der Abrechnung und der technisch notwendigen Mess- und Steuereinrichtungen (zum Beispiel Zähler), für die Ablesung und das Inkasso

 Abgaben/Umlagen (29,7 %):

  • Konzessionsabgabe (5,5 %),
  • Umlage nach dem Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG-Umlage) (21,3 %),
  • Umlage nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz KWKG (1,5 %),
  • Umlage nach § 19 der Strom-Netzentgeltverordnung (1,3 %) und
  • Offshore-Haftungsumlage (0,1 %)
  • die Umlage für abschaltbare Lasten wurde im Jahr 2016 nicht erhoben

(Quelle: Bundesnetzagentur, Stand 01.04.2016)
 
Der Gaspreis setzt sich aus mehreren Kostenbestandteilen zusammen:

  • Kosten für die Gasbeschaffung, den Vertrieb und Gewinnmarge (50,5 %)
  • Steuern (Gas- und Umsatzsteuer) (24,4 %)
  • Nettonetzentgelt (21,8 %): Das Netznutzungsentgelt
  • Messung, Messstellenbetrieb und Abrechnung (2,0 %): Entgelte für die Kosten der Abrechnung, der technisch notwendigen Mess- und Steuereinrichtung (zum Beispiel Zähler) und für die Ablesung und das Inkasso
  • Konzessionsabgabe (1,3 %)   

(Quelle: Bundesnetzagentur, Stand 01.04.2016) 

Zahlreiche Strom- und Gasanbieter für jeden Haushalt

Der Energiemarkt wurde in Deutschland am 29. April 1998 liberalisiert. Die Aufhebung der Monopolstellung in der Energieversorgung für Strom und Gas kam einer Revolution in der Energiebranche gleich. Dem Fachverband BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.) zufolge stehen einem Haushaltskunden durchschnittlich mehr als 100 Stromanbieter und 50 Gasanbieter zur Verfügung. Insgesamt sind auf dem deutschen Energiemarkt fast 900 Stromanbieter sowie 800 Gasanbieter tätig und bieten die unterschiedlichsten Strom- und Gastarife an.

Aufgrund der aktuellen Wettbewerbssituation auf dem Strom- und Gasmarkt ist nicht mehr von einer marktbeherrschenden Stellung der Energielieferanten gegenüber den Haushaltskunden auszugehen. Damit liegen die Voraussetzungen für ein Einschreiten der Energiekartellbehörde nach dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB), beispielsweise wegen des Verdachts auf Preismissbrauch, auf diesen beiden Märkten grundsätzlich nicht mehr vor.

Die von Preissteigerungen betroffenen Haushalte müssen höhere Preise jedoch nicht hinnehmen. Die Verbraucherinnen und Verbraucher sollten ihre Marktmacht unter Beweis stellen und unter den zahlreichen Anbietern den für sie günstigsten Versorger auswählen. Der Wechsel des Energielieferanten ist nicht aufwändig und problemlos möglich.

Zahlreiche Angebote können im Internet bei verschiedenen Preisportalen nach Eingabe der Postleitzahl (Wohnort) und der Verbrauchsmenge verglichen werden. Bei Vorauszahlungen, Boni und Kautionen ist allerdings Vorsicht geboten. Außerdem sollten sich die Verbraucherinnen und Verbraucher vertraglich nicht zu lange binden. Die Verbraucherzentrale NRW bietet ebenfalls hilfreiche Hinweise zum Thema „Anbieterwechsel“.

Energie einsparen, Kosten senken

Gleichwohl ist die Landesregierung besorgt über die steigende Anzahl einkommensschwacher Haushalte, für die Energiekosten eine erhebliche finanzielle Zusatzbelastung sind. Energieeffiziente Haushaltsgeräte anzuschaffen oder Fördermöglichkeiten in Anspruch zu nehmen, bleibt dieser Verbrauchergruppe in der Regel verwehrt. Die Landesregierung begrüßt deshalb eine staatlich geförderte Energieberatung, z.B. über die Verbraucherzentrale. Dieses Angebot wird zunehmend durch viele Initiativen (Caritas etc.) und Programme der Stadtwerke vor Ort abgerundet, die sich insbesondere mit dem Thema Energieberatung und Energieeinsparung beschäftigen.

Arbeitskreis Energiearmut

Außerdem hat sich im Wirtschaftsministerium zu dem Thema ein Arbeitskreis „Energiearmut“ etabliert, der ein Netzwerk der betroffenen Akteure schaffen möchte. Dieses Netzwerk umfasst derzeit unter anderem zahlreiche Stadtwerke, die Verbraucherzentrale NRW, die Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung im Verband kommunaler Unternehmen, eine Arbeitsloseninitiative und Vertreterinnen der Wissenschaft. Ziel ist, gemeinsam innovative Ansätze zur Bekämpfung von Energiearmut und Vermeidung von Energiesperren zu finden und umzusetzen.

Über den Arbeitskreis "Energiearmut" ist das Wirtschaftsministerium Praxispartner des Forschungsprojekts „KomMA-P/Akzeptanz der Energiewende stärken“. Die Abkürzung „KomMA-P“ steht für "Komplementäre Nutzung verschiedener Energie-Versorgungskonzepte als Motor gesellschaftlicher Akzeptanz und individueller Partizipation zur Transformation eines robusten Energiesystems - Entwicklung eines integrierten Versorgungsszenarios".

Weitere Informationen zur Energiearmut finden Sie im Faktenblatt.

Die Europäische Kommission hat Ende 2016 das Clean-Energy-Package oder Winterpaket vorgestellt. Mit ihm sollen die Klimaschutzverpflichtungen der EU aufgrund des Pariser Klimaübereinkommens umgesetzt werden. Das oberste Ziel ist ein System sauberer Energie. Dazu gehört auch die Einrichtung einer europäischen Beobachtungsstelle für Energiearmut.
 
Was sind die neuen gesetzlichen Anforderungen des Clean Energy Package? Die Mitgliedstaaten sollen u.a. zu Folgendem verpflichtet werden:

  • Definition von Energiearmut im nationalen Kontext
  • Erfassung des Status Quo und Monitoring der Entwicklung
  • Definition und Umsetzung von Maßnahmen zur Minderung von Energiearmut
  • Berichterstattung 

Nach Artikel 3 (3d) der Governance-Richtlinie sind die Mitgliedsstaaten verpflichtet, auf Grundlage überprüfbarer Daten zu bewerten, wie viele Haushalte von Energiearmut betroffen sind, unter Berücksichtigung national definierter Mindeststandards für Energiedienstleistungen und sozialpolitischer Rahmenbedingungen. Wenn eine Betroffenheit einer erheblichen Anzahl an Haushalten festgestellt wurde, erfolgt eine Aufnahme eines nationalen Richtziels für die Verringerung der Energiearmut in den Nationalen Energie- und Klimaplans (National Energy and Climate Plan – NECP).
 
Die Beobachtungsstelle soll eine lebendige Plattform - Open access, Transparenz, Wissen, Austausch – sein. In Stichworten ausgedrückt, soll sie das Folgende aufgreifen:

  • Wissen und Ressourcen
    • Bündelung des aktuellen Forschungsstandes -> Publications
    • Übersicht zu Politiken & Programmen -> Policies & measures
    • Unterstützung für Akteure aus der Praxis -> Training resources
    • Wer ist aktiv im Bereich Energiearmut -> Relevant organisations
    • Zentrale Fragestellungen für die Politik -> Guidance for policymakers
  • Messung, Statistiken, Indikatoren -> Indicators
  • Austausch -> Forum 

Die Plattform soll kontinuierlich aktualisiert sowie weiter entwickelt werden und es soll ein Austausch mit den Stakeholdern entstehen.

Transformationsprozess Energiewende

Die Energiewende ist ein auf 40 Jahre angelegter Transformationsprozess. Dieser tiefgreifende Veränderungsprozess hat nicht nur energiewirtschaftliche, sondern auch gesellschaftspolitische Dimensionen. Viele Bürgerinnen und Bürger sehen sich in einem Spannungsfeld gefangen, das von zentralen Aktivitäten, wie dem Zubau erneuerbarer Energieerzeugung und/oder dem Ausbau der Übertragungsnetze, bis hin zu dezentralen Gewichtungen, wie der Ertüchtigung lokaler und/oder kommunaler Versorgungsnetze unter Einsatz intelligenter Technologie, geprägt ist.

Deshalb fragen sich nicht nur der Einzelne, sondern auch gesellschaftliche Gruppen aus Politik und Wirtschaft, was die oben beschriebenen Prozesse mit sich bringen und ob sie (noch) beeinflussbar sind. Möglicherweise würde eine aktive Partizipation eine starke Akzeptanz mit sich bringen.

Denkbare Problemfelder sind unter anderem:

  • das Gefühl der Abhängigkeit vor übergeordneten Infrastrukturmaßnahmen kann beängstigend sein
  • die Einbeziehung in Planungsverfahren ist vielen Bürgerinnen und Bürgern möglich, aber die ökonomische Investition in einzelne Projekte kann nur ein Teil der Bevölkerung realisieren
  • die Kosten der Energiewende sind eine soziale Herausforderung – Stichwort „Energiearmut“

Daraus resultiert ein Bedürfnis – im Hinblick auf eine Energiepolitik ohne Atomenergie – an niedrigschwelligen Partizipationsmöglichkeiten. Die Politik wiederum hat ein Interesse daran, bestehende Instrumente zu überprüfen und ggf. neue Instrumente zu entwickeln, um die Akzeptanz für Maßnahmen der Transformation zu erhöhen. Ziel von „KomMA-P“ ist es, die Wechselwirkung zwischen technischen und partizipativen Optionen sowie die damit verbundenen Kosten und Infrastrukturmaßnahmen zu untersuchen. Die zu entwickelnden Handlungsempfehlungen und Instrumente sollen geeignet sein, ein hohes Maß an Akzeptanz bei den gesellschaftlichen Gruppen herzustellen. Das Forschungsprojekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Fördergeber als Projektträger ist das Forschungszentrum Jülich GmbH. Weieter Informationen zu "KomMA-P" finden Sie auf www.energiewende-akzeptanz.de.

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