Grubengas

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Gespeichert von Mareike Sassens... am 12. Juni 2020

Klimaschutz durch Grubengasgewinnung und -verwertung in Nordrhein-Westfalen

Grubengas ist ein in Kohlenbergwerken vorkommendes Gasgemisch und enthält als Hauptbestandteil Methan (CH4). Es entsteht aus der Vermischung des in den Flözen vorhandenen Kohlegases mit der über Schächte und Stollen zugeführten atmosphärischen Luft. Die zielgerichtete Gewinnung und Verwertung des Grubengases aus Steinkohlenbergwerken leistet einen wichtigen Beitrag sowohl zum Klimaschutz als auch zur Gefahrenprävention.

In den Steinkohlenrevieren in Nordrhein-Westfalen etablierte sich die energetische Verwertung von Grubengas mit den überwiegenden Anlageninbetriebnahmen in den Folgejahren des im Jahr 2000 in Kraft getretenen EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) besonders zwischen 2002 und 2004.

Die unter ökologischen als auch ökonomischen Gesichtspunkten sinnvolle energetische Grubengasnutzung mit Grubengas befeuerten BHKW-Anlagen geht einher mit wachsenden Exporterfolgen nordrhein-westfälischer Grubengastechnologie.

Ende 2019 waren 106 Blockheiz-Kraftwerksmodule sowie ein Turbinensatz mit einer elektrischen Leistung von insgesamt 167 Megawatt in Betrieb. Die allein in 2019 produzierten fast 498 Millionen kWh Strom können fast 110.600 Haushalte versorgen. Die Wärmeabgabe betrug im Jahr 2019 über 124 Millionen kWh. Das gesamte verwertete Grubengaspotenzial führte zu einer CO2 -Reduktion von nahezu 2,4 Mio. Tonnen in 2019.

Mit der Beendigung des Steinkohlenbergbaus im Jahr 2018 und dem damit einhergehenden Grubenwasseranstieg sowie dem sukzessiven Auslaufen der EEG-Förderung ab dem Jahr 2021 werden sich die zukünftigen Rahmenbedingungen zur Gewinnung und Verwertung des Grubengases wesentlich ändern und überwiegend verschlechtern.

Deshalb führten die regierungstragenden Parteien in Nordrhein-Westfalen im Koalitionsvertrag 2017-2022 aus, dass beide Parteien auch in Zukunft die wirtschaftliche Verwertung von Grubengas ermöglichen wollen. Im ersten Schritt hat die Landesregierung im Rahmen des Entfesselungspakets II „Schaffung einfacherer, präziserer und verlässlicherer Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche Entwicklung in Nordrhein-Westfalen zur Belebung der Wirtschaft“ die „Verordnung über Feldes- und Förderabgabe“ (FFVO) als administrative Maßnahme neu gefasst. Zur Verbesserung der Bedingungen zur Ausnutzung der Grubengaslagerstätten wird gegenüber der FFVO alter Fassung die Förderabgabe für Grubengas von 0,3 Cent/Nm³ auf 0,15 Cent/Nm³ Methan abgesenkt.

Das Wirtschaftsministerium lässt zudem gutachtlich klären, welche Bedingungen für eine langfristig wirtschaftliche Fortsetzung der Grubengasförderung vorliegen müssen.

Als Grundlage dafür waren in einem ersten Schritt zunächst die erforderlichen Daten, insbesondere das Mengen- und Qualitätsgerüst des Grubengasdargebots in Abhängigkeit vom erfolgenden Grubenwasseranstieg zu ermitteln und bereitzustellen. Dieser erste Schritt wurde zwischenzeitlich durch die seitens des Wirtschaftsministeriums beauftragte DMT GmbH & Co KG (DMT) mit Vorlage des Gutachtens zur Grubengasgewinnung in Nordrhein-Westfalen vom 3. April 2020 erfüllt.

Als wesentliche Ergebnisse des Gutachtens sind festzuhalten, dass für den angenommenen Zeitraum des Grubenwasseranstiegs bis 2035 für das Ruhrrevier und Ibbenbüren ein technisch gewinn- und verwertbares Methanvolumen von rund 1,82 Mrd. m3 prognostiziert wird, wobei der unter den derzeitigen Rahmenbedingungen wirtschaftlich verwertbare Anteil (Methangehalt über 15 Vol.-%) mit 1,44 Mrd. m³ deutlich darunter liegt. Darüber hinaus werden die jährlich technisch verwertbaren Gasvolumina von rund 197 Mio. m³ in 2019 zunächst auf rund 84 Mio. m³ in 2030 abfallen und danach nur noch langsam zurückgehen.

Bei einem vollständigen Entfall der technischen Gasabsaugung wird davon ausgegangen, dass sich bis 2035 1,57 Mrd. m³ Methan (entsprechend 28,3 Mio. Tonnen Kohlendioxidäquivalenten) an die Atmosphäre freisetzen werden. Durch die technische Gasabsaugung und Verwertung des Grubengases können hingegen Treibhausgasemissionen in der Größenordnung von 24,5 Mio. Tonnen Kohlendioxidäquivalente vermieden werden. Im Falle der Verwertung der gesamten technisch gewinnbaren Methanmenge werden bis 2035 zusätzlich zu der ausschließlich durch den Lagerstättendruck verursachten Entgasung der Grubenbaue rund 250 Mio. m³ Methan abgesaugt.

Die kostenrelevanten Bedingungen der Gasgewinnung und -verwertung werden sich jedoch im o. a. Zeitraum infolge steigender, erforderlicher Saugdrücke und zurückgehender Methangehalte sukzessive verschlechtern.

Auf Grundlage der Ergebnisse dieses Gutachtens ist in einem zweiten Schritt vorgesehen, gutachtliche Ermittlungen mit Vorschlägen für die erforderlichen Rahmenbedingungen zur Gewährleistung einer zukünftig, wirtschaftlichen Grubengasgewinnung sowie Verwertung erarbeiten zu lassen, die auch die Notwendigkeit und den Umfang weiterer Förderung in den Blick nimmt.

Das Gutachten zur Grubengasgewinnung in Nordrhein-Westfalen der DMT ist im Downloadbereich abrufbar.

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