Urananreicherungs-Technologie

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Gespeichert von Mareike Sassens... am 22. Januar 2016

Urananreicherungs-Technologie

Am Standort Gronau betreibt die Urenco Deutschland GmbH die Urananreicherungsanlage Gronau. Die Urenco Deutschland GmbH ist ein Tochterunternehmen der Urenco Enrichment Company Limited mit Sitz in Großbritannien. Weitere Anreicherungsanlagen der Urenco Gruppe befinden sich in Großbritannien, in den Niederlanden und in den USA. Anteilseigner der Urenco-Gruppe sind je zu einem Drittel die Niederlande und Großbritannien im Rahmen staatlicher Beteiligungen und die deutschen Firmen RWE und E.ON.

Mit der in der Urenco Gruppe eingesetzten Zentrifugentechnologie wird in Kaskaden Uran zum Einsatz in Kernkraftwerken angereichert. Dies ist eine Vorstufe zur Herstellung von reaktortauglichen Brennelementen. Mit derartigen weiteren Prozessen ist die UAG in Gronau nicht befasst. Die Anlage besitzt eine genehmigte Kapazität von nominal 4500 t Urantrennarbeit pro Jahr.

Das Wirtschaftsministerium ist atomrechtliche Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde für die Anlage zur Erzeugung von Kernbrennstoff und hat im Jahr 1981 die nach § 7 Atomgesetz (AtG) notwendige Genehmigung (7/1 UAG, 1. Teilgenehmigung vom 31.12.1981) erteilt. Neben dem Wirtschaftsministerium als der staatlichen Atomaufsicht unterliegt die UAG der Überwachung durch weitere Behörden; dazu zählen

  • IAEA/Euratom für die Kernmaterialüberwachung,
  • die Bezirksregierung Münster (Immissionsschutz, Arbeitsschutz, Feuerschutz, Wasserrecht),
  • der Kreis Borken (Kreispolizei, Katastrophenschutz, Brandschutz, Landschaftsschutz)
  • die Stadt Gronau (Bauplanung, Öffentliche Ordnung). 

Darüber hinaus ist die Zuständigkeit des Bundeswirtschaftsministeriums für die Überwachung der Einhaltung der Verträge von Almelo, Cardiff und Washington betreffend die Zentrifugentechnologie als auch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle für Exportgenehmigungen von Kernbrennstoffmaterial zu nennen.

Sicherheitsprüfung

Gemäß § 19a Abs. 3 Atomgesetz ist die Urananreicherungsanlage Gronau alle 10 Jahre einer Sicherheitsüberprüfung zu unterziehen. Diese Sicherheitsüberprüfung erfolgt neben der laufenden Aufsicht (Überwachung der Erfüllung der gesetzlichen Vorschriften und Bestimmungen der Genehmigungsbescheide). Sie wurde für die Urananreicherungsanlage Gronau (UAG) aufgrund der Ereignisse in Fukushima im Jahr 2011 um zwei Jahre vorgezogen durchgeführt. Basis der Sicherheitsüberprüfung ist die erteilte Genehmigung, der Ist-Zustand der Anlage und die Anforderungen des Standes von Wissenschaft und Technik. Der Sicherheitsstand einer kerntechnischen Anlage wird dadurch ganzheitlich erfasst und schutzzielorientiert beurteilt. Bei der Sicherheitsüberprüfung wurden alle sicherheitstechnisch relevanten Themen, die den Standort, die Standorteinwirkungen, die Auslegung und den Betrieb der Anlage sowie die Maßnahmen zur Verhütung von Unfällen und zur Abmilderung von Unfallfolgen betreffen, überprüft. Hierbei wurden die radiologischen wie chemischen Auswirkungen, die Betriebssicherheit, die Entsorgung und Stilllegbarkeit der Anlage sowie mögliche Einwirkungen von außen wie Erdbeben, Flugzeugabsturz und Hochwasser berücksichtigt.

Die nächste Sicherheitsüberprüfung bei der UAG findet gemäß § 19a Abs. 3 AtG im Jahr 2021 wieder statt.

Stresstest

Unmittelbar nach den Reaktorunfällen in Fukushima führte die Entsorgungskommission (ESK) als unabhängiges Beratergremium des Bundesumweltministeriums (BMU) einen Stresstest für Anlagen und Einrichtungen der Ver- und Entsorgung in Deutschland durch. Hier wurden die Robustheit sowie die Sicherheitsreserven der Urananreicherungsanlage Gronau gegenüber auslegungsüberschreitenden Einwirkungen bewertet. Mit dem Stresstest wurden ausdrücklich nicht die im Rahmen des Genehmigungsverfahrens geprüften Auslegungsanforderungen bewertet, sondern die Robustheit der ausgewählten Anlagen und Einrichtungen gegen Einwirkungen, die über diese Anforderungen hinausgehen.

Die Ergebnisse des Stresstest wurden im März 2013 veröffentlicht. Die ESK stellte zusammenfassend fest, dass die Urananreicherungsanlage Gronau deutliche Reserven gegen auslegungsüberschreitende Ereignisse aufweist und für fast alle unterstellten Lastfälle das höchste Stresslevel bzw. den höchsten Schutzgrad erreicht. In einzelnen Fällen, wo dies nicht erreicht wird, würden die Auswirkungen durch diese auslegungsüberschreitenden Belastungen nicht dazu führen, dass einschneidende Maßnahmen des Katastrophenschutzes erforderlich werden.

Die Landesregierung hat sich wiederholt nachdrücklich dafür eingesetzt, die Urananreicherungstechnologie in den Atomausstieg einzubeziehen. Ein Konsens mit der Bundesregierung über eine entsprechende Erweiterung der Ausstiegsregelungen des Atomgesetzes war jedoch nicht zu erreichen.

Enrichment Technologie Company (ETC)

Die Enrichment Technologie Company (ETC) beschäftigt sich am Standort in Jülich mit der Entwicklung und Fertigung von Zentrifugen und Bauteilen für die Anreicherungstechnologie. ETC gehört wie die Urenco Deutschland GmbH zur Urenco-Gruppe. Die Betriebsstätte in Jülich ist eng mit den Betrieben der Urenco-Gruppe in den Niederlanden und England verflochten.

Das Wirtschaftsministerium ist atomrechtliche Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde über die Verwendung von Kernbrennstoffen (§9 AtG) bei der ETC in Jülich.

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