Erdgas

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Gespeichert von Mareike Sassens... am 1. Februar 2016

Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten

Erdgas zählt zu den Kohlenwasserstoffen und ist damit ein sogenannter bergfreier Bodenschatz im Sinne des § 3 Abs. 3 Bundesberggesetzes (BBergG). Wer Kohlenwasserstoffe aufsuchen, d.h. den Untergrund auf vermutete Vorkommen erkunden will, benötigt dazu eine bergrechtliche Aufsuchungserlaubnis. Wer Kohlenwasserstoffe gewinnen will, benötigt eine bergrechtliche Bewilligung oder das Bergwerkseigentum. Beide Berechtigungen sind jeweils an ein an konkret abgegrenztes Feld geknüpft, innerhalb dessen die Aufsuchungs- oder Gewinnungstätigkeiten beabsichtigt sind.

Die Erteilung einer bergrechtlichen Erlaubnis oder einer Bewilligung gestatten keineswegs bereits die Aufnahme von Tätigkeiten, die mit Eingriffen in den Untergrund verbunden sind. Für solche Eingriffe, bspw. in Form von Bohrungen, sind eigenständige Genehmigungsverfahren erforderlich. Mindestens ist ein Betriebsplan und dessen Zulassung erforderlich. Hinzu kommen in der Regel weitere Genehmigungserfordernisse wie z.B. ein gesondert durchzuführendes wasserrechtliches Erlaubnisverfahren. Erst wenn diese Genehmigungsverfahren mit einer Zulassung des Vorhabens abgeschlossen sind, können Eingriffe in den Untergrund zur Erkundung eines vermuteten Erdgas-Vorkommens oder zur Gewinnung von Erdgas vorgenommen werden. Nähere Informationen zu diesem Thema, insbesondere zum Verfahren für die Erteilung neuer oder die Verlängerung bestehender Aufsuchungserlaubnisse für Kohlenwasserstoffe mit einer tabellarischen und grafischen Übersicht über die beantragten bzw. erteilten Erlaubnisse finden sich auf der Internetseite der Bezirksregierung Arnsberg (Bergbehörde): www.bezreg-arnsberg.nrw.de/themen/e/erdgasaufsuchung_gewinnung
Bei Erdgas wird im lagerstättenkundlichen Sinne unterschieden zwischen:

  • Erdgas aus „konventionellen“ Lagerstätten und
  • Erdgas aus „unkonventionellen“ Lagerstätten

Erdgas besteht unabhängig davon, ob es aus einer „konventionellen“ oder „unkonventionellen“ Lagerstätte stammt, hauptsächlich aus Methan (CH4).
Gesteine in „konventionellen“ Erdgaslagerstätten weisen eine vergleichsweise hohe Porosität (Porenraum/Porenvolumen) und Permeabilität (Durchlässigkeit) auf, sodass das Erdgas aufgrund des natürlichen Lagerstättendrucks relativ einfach gewonnen werden kann.

In „unkonventionellen“ Lagerstätten weist das Gestein nur eine äußerst geringe bis gar keine natürliche Durchlässigkeit auf. Zu den „unkonventionellen“ Erdgaslagerstätten zählt man:

  • Erdgas in dichten Gesteinen (z.B. in Tonschiefer, „Schiefergas“),
  • Kohleflözgas,
  • Aquifergas und
  • Erdgas aus Gashydrat.

Für eine Gewinnung sind in der Regel aufwändige technische Maßnahmen notwendig (beispielsweise Hydraulic Fracturing oder kurz Fracking). Bei diesem Vorgang werden mit Hilfe einer Flüssigkeit („Fracfluid“) im umgebenden Gestein Risse erzeugt, so dass die Durchlässigkeit erhöht wird und das Erdgas leichter zur Bohrung fließt. Das Fracfluid besteht aus einem Gemisch aus Wasser, Sand als Stützmittel und weiteren Additiven für unterschiedliche Zwecke.

Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen nimmt die Sorgen und Ängste im Zusammenhang mit befürchteten nachteiligen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt zu diesem Thema sehr ernst und hat die möglichen Umweltauswirkungen von Fracking in einem Gutachten untersuchen lassen.

Das seit 2012 vorliegende Gutachten spricht die Empfehlung aus, Aufsuchungs- und Gewinnungsvorhaben mit Einsatz der Fracking-Methode nicht zu genehmigen, bis bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu gehört insbesondere die Minderung des Gefährdungspotenzials der Frack-Additive und die einwandfreie Lösung der Entsorgung des sogenannten flowback. Für Tiefbohrungen, die im Rahmen der Erkundung unkonventioneller Erdgas-Lagerstätten ohne Fracking abgeteuft werden, müssen aus Sicht der Gutachter keine anderen Anforderungen gelten als für andere nicht auf unkonventionelle Erdgas-Vorkommen zielende Tiefbohrungen soweit sie nicht für Fracking in der ggf. nachfolgenden Phase B genutzt werden sollen.

Kein Fracking-Einsatz in unkonventionellen Lagerstätten in NRW

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen hat sich seit der Vorlage des von ihr beauftragten Gutachtens zu möglichen Umweltauswirkungen gegen einen Fracking-Einsatz in unkonventionellen Erdgaslagerstätten ausgesprochen und hat sich auch über Initiativen und Anträge im Bundesrat für einen Fracking-Ausschluss in gesetzlichen Regelungen eingesetzt.

Die Bundesregierung hat am 11. August 2016 ein Anfang 2017 in Kraft tretendes Gesetzespaket verabschiedet, mit dem die Genehmigung kommerzieller Fracking-Vorhaben zur Aufsuchung oder Gewinnung von Erdgas oder Erdöl in Deutschland zunächst bis 2021 ausgeschlossen wird. Dann soll der Bundestag die Angemessenheit der Verbotsregelung überprüfen. Um bestehende Kenntnislücken zu schließen, ermöglichen die gesetzlichen Regelungen, Genehmigungen für deutschlandweit vier Erprobungsmaßnahmen im Schiefer-, Ton- oder Mergelgestein oder Kohleflözgestein zu erteilen. Damit sollen die Auswirkungen des Frackings auf die Umwelt, insbesondere den Untergrund und den Wasserhaushalt, wissenschaftlich erforscht werden. Die Forschungsvorhaben können allerdings nur mit Zustimmung der jeweiligen Landesregierung unter strengen Auflagen erlaubt werden.

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen hat im Entwurf des neuen Landesentwicklungsplans (LEP), dem das Kabinett bereits zugestimmt hat, eine Zielformulierung für einen Fracking-Ausschluss aufgenommen, sodass dementsprechend auch keine dieser Forschungsmaßnahmen in Nordrhein-Westfalen erlaubt würde.

Darüber hinaus hat auch der gemeinsame Erlass des Wirtschaftsministeriums und des Umweltministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen vom 18.November 2011 weiterhin Bestand, nach dem die Bergbehörde angewiesen ist, keine Zulassungen für Vorhaben zu erteilen, die Fracking-Maßnahmen vorsehen. Das gilt auch für Vorhaben, die der Vorbereitung von Fracking dienen könnten, sofern die Unternehmen nicht verbindlich erklären, dass sie aktuell und in Zukunft auf Fracking verzichten.
Daher wird es weiterhin keine Genehmigung von Fracking-Maßnahmen in Nordrhein-Westfalen geben.

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