Kohlenstoff kann Klimaschutz: Strategie zum Umbau der Industrie vorgestellt

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Gespeichert von Mareike Sassens... am 19. Oktober 2021
19. Oktober 2021

Kohlenstoff kann Klimaschutz: Strategie zum Umbau der Industrie vorgestellt

Minister Pinkwart: Mit einem innovativen Kohlenstoffmanagement nehmen wir die Industrie mit ihren hunderttausenden Beschäftigen mit in die klimaneutrale Zukunft.

Um die ambitionierten Klimaziele in Nordrhein-Westfalen, Deutschland und Europa zu erreichen, entwickeln Politik und Unternehmen neue Strategien für den klimafreundlichen Umbau der Industrie: Fossile Kohlenstoffquellen müssen durch mithilfe von Recycling gewonnene Sekundärrohstoffe, Biomasse und CO2 ersetzt, der Kohlenstoff so oft wie möglich im Kreislauf weitergenutzt werden.

 

Diese Neuausrichtung verändert die Energie- und Rohstoffversorgung, die Produktionsprozesse und Wertschöpfungsketten grundlegend, sagte Wirtschafts- und Energieminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart. In einer Videoschalte stellte er die Carbon Management Strategie NRW vor. Sie enthält Maßnahmen und Forderungen, damit der Übergang in eine nachhaltige Kohlenstoffwirtschaft gelingt.
 
Minister Pinkwart: „Wir wollen die Industrie in Nordrhein-Westfalen erhalten und stärken und die Unternehmen mit ihren hunderttausenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in die klimaneutrale Zukunft mitnehmen. Damit das gelingt, unterstützen wir mit unseren Netzwerken, Forschungseinrichtungen, industriellen Partnern und NRW Global Business den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft und die Entwicklung einer klimaneutralen Kohlenstoffwirtschaft. Denn wir werden auch künftig Kohlenstoff als Rohstoff z.B. in der Chemieindustrie benötigen. Dazu entwickeln wir klimaschonende Stoffkreisläufe, die als Basis für eine nachhaltige Wirtschaft dienen und Wohlstand und Beschäftigung mittel- und langfristig sichern können. Von der Bundesregierung fordern wir den Abbau von rechtlichen und regulatorischen Hürden, die dem Aufbau der Kohlenstoffwirtschaft entgegenstehen. Abscheidung, Transport und Speicherung von CO2-Restmengen müssen ermöglicht werden, um mit dem Umbau und der Errichtung der Infrastruktur beginnen zu können.“
 
Mit Maßnahmen und Forderungen treiben wir die Kohlenstoffwirtschaft in vier zentralen Handlungsfeldern voran:

1. Land unterstützt kohlenstofffreie Technologien und Prozesse

Der vollständige Verzicht auf Kohlenstoff ist in bestimmten Segmenten und Anwendungsfällen möglich. Das gilt etwa für Prozesswärme, die mit Strom oder Wasserstoff erfolgen kann statt mit Kohle oder Erdgas. Und beispielsweise für die Aluminiumproduktion, die durch Prozessinnovationen vollständig ohne Kohlenstoff möglich sein wird. Das Land wird die Industrie weiter gezielt dabei unterstützen, kohlenstofffreie Prozesse und Technologien zu entwickeln und Energieträger einzusetzen – u.a. durch den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft, den Ausbau von Wind-, Solar- und anderen erneuerbaren Energien, von Netzen und Speichern.

2. Recycling ermöglicht nachhaltige Kohlenstoffnutzung

In Bereichen, in denen der Verzicht auf Kohlenstoff als Produktrohstoff nicht möglich ist, unterstützen wir die nachhaltige Nutzung alternativer Quellen wie Sekundärrohstoffen, Biomasse und CO2. Um die Synergiepotenziale zwischen den Branchen zu identifizieren und zu heben, baut das Wirtschaftsministerium mit dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz ein öffentlich zugängliches Carbon Monitoring auf.

3. CO2 als alternativer Rohstoff in der Industrie

Ohne das Management unvermeidbarer CO2-Mengen werden die Klimaziele nicht zu erreichen sein. Dabei ist CO2 ein aussichtsreicher alternativer Rohstoff vor allem für die chemische Industrie. Die Nutzung abgeschiedener industrieller CO2-Mengen vermeidet Emissionen und erschließt eine alternative Kohlenstoffquelle. Ziel sind innovative, nachhaltige Stoffkreisläufe, um Kohlenstoff langfristig zu binden, damit er nicht in die Atmosphäre gelangt. Überschüssige CO2-Restmengen vor allem in Industrie und Landwirtschaft werden wir in letzter Konsequenz speichern müssen, um die Klimaneutralität zu erreichen.
 
Das Wirtschaftsministerium wird die Planung und Vorbereitung einer CO2-Infrastruktur in Nordrhein-Westfalen unterstützen. Zudem werden wir den Aufbau eines Reallabors zum CO2-Transport fördern. Um den Markthochlauf der CO2-Abscheidung und -Nutzung im Vorfeld einer flächendeckenden Infrastruktur zu ermöglichen, wird das Land im Rahmen eines Wettbewerbs drei bis fünf Modellregionen in Nordrhein-Westfalen identifizieren, in denen die Abscheidung und Nutzung von CO2 gefördert werden soll.
 
Die neue Bundesregierung muss die rechtlichen, regulatorischen und infrastrukturellen Voraussetzungen zur Abscheidung, zum Transport, zur Nutzung und zur Speicherung von Kohlenstoffdioxid schaffen.

4. Gesellschaftlicher Dialog / Gütesiegel für Nachhaltigkeit

Durch die frühzeitige Einbindung und transparente Informationen soll die Zukunft des Industrielandes Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern und auf Augenhöhe gestaltet werden. Dazu wird auch ein bundesweites Gütesiegel für Produkte aus nachhaltigen Wertschöpfungspfaden benötigt, das von einer unabhängigen Institution vergeben wird. Nordrhein-Westfalen wird ein solches Label in den länderübergreifenden Diskussionsprozess einbringen und mit der Bundesebene diskutieren.

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