​„Insekten sind das neue Super-Food“

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Gespeichert von Volker Stößel am 20. September 2018
20. September 2018

​„Insekten sind das neue Super-Food“

Timo Bäcker, Mitgründer von SWARM, im Interview.

 

Insekten zu essen ist im Grunde nichts Neues. Zumindest nicht für 80 Prozent der Welt, die unter anderem sechsfüßige Krabbler regelmäßig als wertvolle Nährstoffquelle auf ihrem täglichen Speiseplan finden. Das Kölner Start-up SWARM ist angetreten, Insekten als neues Lebensmittel auch in der westlichen Welt zu etablieren. Im Interview spricht Mitgründer Timo Bäcker (33) unter anderem über Herausforderungen beim Aufbau eines Food-Start-ups und über die Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Wie kommt man auf die Idee, einen Insekten-Snack zu entwickeln?

2015 habe ich mich gemeinsam mit Christopher Zeppenfeld nach Südostasien aufgemacht. Inspiriert durch die tollen Eigenschaften von Insekten als Nahrungsmittel, wollten wir uns persönlich ein Bild von der Tradition des Insektenessens machen. So sind wir dann mit dem Motorrad drei Monate durch Vietnam, Laos und Thailand gebrettert. Dabei haben wir alles an Insekten gegessen, was wir finden konnten. Natürlich mussten wir uns dem Thema auch erst einmal annähern. Die Vorteile von Insekten hatten uns aber überzeugt, die Krabbler als Nahrungsmittel auf den westlichen Markt zu bringen. Hier lag es nah, die ungewohnte Optik etwas zu entschärfen. Also haben wir einen Riegel entwickelt. Ein Snack-Produkt mit allen tollen Eigenschaften von Insekten, aber mit weniger Augen, Fühlern und Beinen als wir es in Südostasien erlebt haben. 

Wer will sowas denn essen? 

Durch das funktionale Nährstoffprofil in unseren Insektenriegeln richten wir uns in erster Linie an Sportler. Diese sind immer auf der Suche nach hochwertigem Protein und anderen wichtigen Nährstoffen. Insekten sind eine großartige alternative Nährstoffquelle. Sie besitzen nicht nur sehr viel Protein mit allen essentiellen Aminosäuren, sondern auch immens viele Mikronährstoffe wie Vitamin B12 oder Eisen. Und dabei verbrauchen sie lediglich einen Bruchteil der natürlichen Ressourcen im Vergleich zu klassischen Proteinquellen wie Fleisch oder Molke. 

Können Sie das erläutern?

Insekten sind wechselwarm. Ihre Körpertemperatur wird also von der Umgebungstemperatur bestimmt. Die Tiere müssen somit keine Energie aus dem Futter in die Regulierung ihrer Körpertemperatur stecken. Das macht sie zu sehr effizienten Futterverwertern und schont enorme Ressourcen. Im Vergleich zu Rindern brauchen Grillen nur 8 Prozent des Futters, 2 Prozent des Wassers und produzieren weniger als 1 Prozent der Treibhausgase.

Was war Ihre größte Herausforderung bei der Gründungen im Food-Bereich?

Der Food-Bereich hat einige große Hürden in petto. Insbesondere wenn es um recht neue Zutaten geht. Der Aufbau unserer eigenen Lieferkette war für uns eine der größten Herausforderungen. Wir verwenden Grillen in vermahlener Form. Dieses Produkt gibt es bislang aber noch nicht in geeigneter Qualität und Menge und so existiert dafür auch kein Weltmarkt. Wir haben also alles selber aufgebaut und beziehen nun die Insekten direkt von unserem Partner in Thailand – mit allen Unwägbarkeiten, die eine internationale Kooperation mit sich bringt.

Durch Unterstützung des Landes NRW haben Sie das Digitalfestival South by Southwest (SXSW) in Austin besucht. Wie konnten Sie von dieser Präsentation profitieren?

Die SXSW ist das Tor zur Start-up-Welt der USA. Es war spannend zu sehen, wie sich andere Jungunternehmen positionieren, wie sie arbeiten und mit welcher Strategie sie im amerikanischen Markt agieren. Die internationale Stimmung, der lockere Umgang im German Haus und der Austausch mit Gründern aus den unterschiedlichsten Branchen waren sehr inspirierend und hallen bis heute bei uns nach.

Welchen Tipp haben Sie für Gründerinnen und Gründer, die noch am Anfang ihrer Geschäftstätigkeit stehen?

Rückblickend waren für uns die beiden Aspekte „Naivität“ und „Netzwerk“ ziemlich bedeutend. Bei einem so komplexen Vorhaben wie unserem hat es uns anfangs sehr geholfen, mit einer leichten Portion Naivität in die Gründung zu starten – getreu dem Motto "so schwer kann das schon nicht sein". Das war hilfreich, Probleme Stück für Stück zu lösen und uns nicht von Rückschlägen entmutigen zu lassen. Gleichzeitig hat uns ein professionelles Netzwerk sehr unterstützt. Wir haben jedem von unserer Idee erzählt und Kontakte zu Forschern, der Industrie und anderen Gründern aufgebaut. Über diese Diskussionen konnten wir nicht nur unsere Idee immer weiter schärfen, sondern auch langfristige Kooperationen aufbauen und gemeinsam die nächsten Herausforderungen angehen.

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