Rückbau

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Rückbau

In Nordrhein-Westfalen wurden verschiedene Kernkraftwerke und Forschungsreaktoren betrieben. Mit dem Forschungsreaktor FRJ-2 in Jülich wurde der letzte dieser Reaktoren im Jahr 2006 abgeschaltet und damit die Kernspaltung in NRW beendet. Die Stilllegung und der Abbau der Anlagen bedürfen einer Genehmigung nach dem Atomgesetz. Die dafür zuständige Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde ist das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen.

Kernkraftwerk Würgassen (KWW)

Mit dem Kernkraftwerk Würgassen ging 1971 das erste rein kommerziell genutzte Atomkraftwerk hierzulande in Betrieb – mit einem Siedewasserreaktor und einer elektrischen Leistung von 670 MW. Der zunehmende Strombedarf im Raum Ostwestfalen-Südniedersachsen-Nordhessen sowie genügend Flusswasser für Kühlzwecke waren wichtige Argumente für die Wahl des Standortes an der Oberweser zwischen Bad Karlshafen und Beverungen. Das KWW wurde im August 1994 abgeschaltet. Bis zur Abschaltung war der Reaktor ca. 130.000 Stunden in Betrieb und hat in dieser Zeit 72,9 Milliarden KWh Strom erzeugt.

Seit April 1997 wird das Kernkraftwerk stillgelegt und zurückgebaut. Der Rückbau ist inzwischen weitgehend abgeschlossen. Am Standort verbleiben noch zwei Zwischenlager für radioaktive Abfälle. Anders als in den Zwischenlagern an anderen KKW-Standorten werden in Würgassen keine abgebrannten Brennelemente deponiert. Hier werden ausschließlich schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus Rückbau und Betrieb der Anlage eingelagert. Diese Lager dienen als Zwischenlager bis ein Endlager des Bundes zur Verfügung steht.

Thoriumhochtemperaturreaktor Hamm-Uentrop (THTR 300)

Das Kernkraftwerk THTR-300 (Thorium-Hochtemperaturreaktor) war ein heliumgekühlter Hochtemperaturreaktor in Hamm-Uentrop (Nordrhein-Westfalen) mit einer elektrischen Bruttoleistung von 300,6 MW und diente als Prototyp für Hochtemperaturreaktoren (HTR).

Nach Inbetriebnahme im Jahr 1983 wurde im September 1989 die endgültige Stilllegung beschlossen. Die Anlage befindet sich nach Abschluss der Entladung der Brennelemente im Jahr 1995 seit 1997 im „Sicheren Einschluss“. Das Stilllegungskonzept für die Anlage THTR-300 sieht den „Sicheren Einschluss“ der Anlage für einen Zeitraum von mindestens 30 Jahren vor.

Die Stilllegung des THTR-300 erfolgte in vier Phasen:

  • Phase I Überführung des Betriebs der Anlage vom Leistungsversuchsbetrieb in den Stillstandsbetrieb (1989 - 1993)
  • Phase II Reaktorkernentladung inkl. Stillsetzung/Stilllegung sowie Abbau einiger Systeme und Anlagenteile (1993 - 1995)
  • Phase III Herstellung des „Sicheren Einschlusses“ (1996/1997)
  • Phase IV Betrieb des „Sicheren Einschlusses“

Atomversuchsreaktor Jülich (AVR)

Bei dem AVR-Versuchkernkraftwerk handelt es sich um einen gasgekühlten, graphitmoderierten Hochtemperaturreaktor. Das Versuchkernkraftwerk wurde von der Firma Brown, Boveri & Cie. AG gebaut und am 26.August 1966 in Betrieb genommen. Gesellschafter der Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor (AVR) GmbH als Betreiber der Anlage waren insgesamt 15 lokale Elektrizitätsversorger aus ganz Deutschland. Als Besonderheit ist der eingesetzte Kernbrennstoff zu nennen. Dieser bestand aus kugelförmigen keramischen Brennelementen. Der Reaktor hatte eine thermische Nennleistung von 46 Megawatt, die im Betrieb zu einer elektrischen Leistung von 15 Megawatt führte. Während des Betriebes in den Jahren 1967 bis 1988 wurden insgesamt 1,6 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt. Seit 1989 wurde das Konzept für die Stilllegung immer wieder mal geändert. Über die Statuten „Sicherer Einschluss“ und „Entkernung“ besitzt die JEN mbH heute eine Genehmigung zum „Vollständigen Abbau“ der Anlage. Die Planungen sehen vor, dass die Rückbauarbeiten  2021/2022 abgeschlossen werden und der Zustand „Grüne Wiese“ hergestellt wird. Hierzu war es erforderlich, den mit Porenleichtbeton verfüllten Reaktorbehälter in ein eigens dafür errichtetes Zwischenlager auf dem Gelände des Forschungszentrums zu überführen. Dort soll er mehrere Jahrzehnte bis zu seiner Zerlegung und Konditionierung für ein Endlager lagern.

Forschungsreaktor Jülich 2 (FRJ-2)

Die Reaktoranlage FRJ-2 mit ihren Hilfs- und Nebenanlagen wurde von 1958 bis 1962 errichtet und nahm im November 1962 den Leistungsbetrieb mit Experimenten auf. Seine thermische Leistung betrug zunächst 10 MW. Durch Ausschöpfung vorhandener Reserven, Umbau- und Ertüchtigungsmaßnahmen konnte die Reaktorleistung im Jahr 1967 auf zunächst 15 MW und im Jahr 1972 auf 25 MW erhöht werden.
Der Reaktor wurde planmäßig am 02.05.2006 endgültig abgeschaltet. Am 20. September 2012 erhielt die Reaktoranlage nach § 7 Abs. 3 Atomgesetz seine Stilllegungs- und Rückbaugenehmigung.
Der Rückbau wird in fünf Phasen durchgeführt:

  • A - Nachbetrieb (Zeitraum endgültige Reaktorabschaltung bis zur Erteilung der Stilllegungsgenehmigung)
  • B - Abbau von Kreisläufen und Systemen
  • C - Abbau des Reaktorblocks,
  • D - Abbau von Restsystemen und Freimessen der Reaktorhalle sowie
  • E - Freimessen restlicher Gebäude und Bodenflächen und Entlassung aus dem Regelungsbereich des AtG

In der Nachbetriebsphase wurden die Brennelemente entladen und entsorgt. Das als Kühl- und Moderatormedium dienende Schwerwasser wurde auch in dieser Phase in einen Behälter abgelassen und anschließend entsorgt. Ein neues Leittechniksystem als Ersatz für das alte Reaktorschutzsystem wurde in Betrieb gesetzt. Zurzeit befindet sich der Rückbau am Ende der Phase B. Der Rückbau der Anlage wird nach den bisherigen Planungen bis zur „Grünen Wiese“ erfolgen.
Am 1. September 2015 ist die Genehmigung 7/10 FRJ-2 auf die ebenfalls in Jülich ansässige Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor GmbH (AVR GmbH) übertragen worden. Die neue Gesellschaft firmiert seit dem 01. Januar 2016 unter dem Namen "Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen mbH" (JEN mbH) und ist im Konzern der Energiewerke Nord (EWN) GmbH eingegliedert.

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