Titel Industrie Studie

Leistungsfähige NRW-Industrie im Wandel

Wer heute über Industrie spricht, spricht über Transformation. 

Dabei stehen die Unternehmen mit ihren Beschäftigten vor einer doppelten Herausforderung: Die Mega-Trends von Digitalisierung und Klimaschutz eröffnen Gestaltungs-Chancen und forcieren den Wettbewerb. 

Zusätzlich zwingt der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine Wirtschaft und Gesellschaft, mit zusätzlichen Maßnahmen die Energieabhängigkeit von Russland zu überwinden. Das Industrieland Nordrhein-Westfalen wird diese Entwicklungen maßgeblich mitgestalten. Die vorliegende Studie* liefert für diese Transformation wichtige Impulse und Orientierungspunkte.

Nordrhein-Westfalen ist einer der wichtigsten Industriestandorte Deutschlands. Insbesondere die Branchen Elektronik, Metall, Chemie und Maschinenbau sind die Stützen der industriellen Wertschöpfung in Nordrhein-Westfalen. Industrieunternehmen sichern Wertschöpfung und Beschäftigung, nicht nur direkt über die Bereitstellung von Arbeitsplätzen und die Herstellung von Waren, sondern zunehmend auch indirekt, indem sie etwa Leistungen aus industrienahen Dienstleistungsbranchen wie Logistik- oder Ingenieursdienstleistungen nachfragen.

Hohe Wettbewerbsfähigkeit durch attraktives Unternehmensumfeld

Ein wesentlicher Grund für die hohe Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Nordrhein-Westfalen ist ein attraktives Unternehmensumfeld, insbesondere im europäischen und globalen Vergleich. Hierzu zählen die Verfügbarkeit und Qualifikation von Fachkräften, die exzellenten Forschungseinrichtungen und Hochschulen mit ihren 770.000 Studierenden und die gute Infrastruktur. Im weltweiten Maßstab positiv hervorzuheben ist zudem das stabile makroökonomische Umfeld in Deutschland und Nordrhein-Westfalen, das Unternehmen grundsätzlich Planungs- und Investitionssicherheit gibt. Das ist auch für zahlreiche Hidden Champions attraktiv: Insgesamt 690 heimliche Weltmarktführer und damit bundesweit am meisten sind in Nordrhein-Westfalen angesiedelt.

Insgesamt erwartet die Studie, dass es der Industrie in Nordrhein-Westfalen und Deutschland gelingt, notwendige strukturelle Anpassungen vorzunehmen und sich so an die veränderten globalen Rahmenbedingungen anzupassen.

Industrie weiter modernisieren und Widerstandsfähigkeit stärken

Um die mit dem industriellen Wandel verbundenen Chancen zu nutzen und die Risiken zu mindern, empfiehlt die Studie, dass Nordrhein-Westfalen die Industrie weiter modernisiert und ihre Widerstandsfähigkeit stärkt. Begleitend zum Industriepolitischen Leitbild und seinen definierten Maßnahmen sind aus Sicht der Wissenschaftler die umfassende Defossilisierung der Industrie, ein weiterentwickeltes Flächenmanagement, die Stärkung der Klimaresilienz von Industrie- und Gewerbeflächen, sowie Maßnahmen zur Steigerung der Resilienz der industriellen Liefer- und Produktionsnetzwerke wichtig. Auch verstärkte Innovationsanstrengungen, etwa über die Steigerung der FuE-Investitionen (3,5 Prozent-Pfad) oder sektorübergreifende Kooperationen, sind von großer Bedeutung.

* Implikationen der geopolitischen Entwicklungen seit Februar 2022 konnten in diesen Prognosen noch nicht berücksichtigt werden, führen aber vermutlich zu einer kurz- bis mittelfristigen Reduktion des zu erwartenden Branchenwachstums in Nordrhein-Westfalen.