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Strukturwandel im Rheinischen Revier

Unterzeichnung des Reviervertrags

Strukturwandel im Rheinischen Revier

Gemeinsam die Jahrhundertchance ergreifen: das Rheinische Revier wird zur klimaneutralen Vorbildregion für Deutschland und Europa.

Heimat bleiben, Heimat werden 

Der Strukturwandel im Rheinischen Revier bietet die einmalige Chance, die eigene Region grundlegend neu zu denken, weiterzuentwickeln und gemeinsam lebenswert zu gestalten. Der Ausstieg aus der Braunkohleverstromung bis 2030 ist für das Rheinische Revier jedoch Herausforderung und Chance zugleich. Die Landesregierung steht gegenüber den vom Kohleausstieg im Rheinischen Revier betroffenen Beschäftigten, deren Arbeitsplätze direkt oder indirekt von der Kohleförderung und -verstromung abhängen sowie den Beschäftigten in den energieintensiven Industrien in der Pflicht. Generationen haben im Rheinischen Revier eine starke Wirtschaft und ein gemeinschaftliches Zusammenleben aufgebaut. Jetzt dürfen die Menschen in den Revieren darauf vertrauen, gemeinsam mit den Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ihr Revier im Zuge des notwendigen Wandels neu zu begründen: Wo gut zu jut wird, hat das Revier eine Zukunft. Über innovative Projekte und Neuansiedlungen soll das Revier zu einer Demonstrationsregion für eine klimaneutrale, nachhaltige und wettbewerbsfähige Industrie bis 2030 und darüber hinaus werden. Die jüngsten Ansiedlungsentscheidungen mit Strahlkraft weit über das Revier hinaus zeigen, dass diese Strategie erfolgreich ist. Eine nachhaltige und digitale Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft stärkt den Standort Rheinisches Revier, verhindert eine De-Industrialisierung, erhält Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit unter Berücksichtigung künftiger demografischer Entwicklungen und der Nachhaltigkeitsziele im Rahmen der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie. Gleichzeitig wird ganz Nordrhein-Westfalen widerstandsfähiger gegen externe Einflüsse und Krisen.

Der Strukturwandel im Rheinischen Revier wird in einem Drei-Ebenen-System zwischen Bund, Land und Region gesteuert. Die Bundesregierung hat im Sommer 2020 mit dem Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen wichtige Bausteine des Kohle-Konsenses umgesetzt und auf den Weg gebracht. Das Strukturstärkungsgesetz ermöglicht die notwendige strukturpolitische Flankierung der geplanten Hilfen in den Kohleregionen in den kommenden Jahrzehnten. Für die Jahrhundertaufgabe einer nachhaltigen Transformation des Rheinischen Reviers stehen Strukturstärkungsmittel von Bund und Land in Höhe von mehr als 14,8 Milliarden Euro bis 2038 zur Verfügung. Das Land flankiert die Förderung aus Bundesmitteln mit eigenen Haushaltsmitteln. 

Mit dem Kohleausstieg bis 2030 leistet das Rheinische Revier den bundesweit größten und schnellsten Einzelbeitrag auf dem Weg zur Klimaneutralität 2045. Durch den groß angelegten strukturpolitischen Wandel kann die ehemalige Kohleregion globaler Vorreiter beim Klima- und Ressourcenschutz werden. Das grundlegende politische Konzept für den Strukturwandel im Rheinischen Revier liefert das Wirtschafts- und Strukturprogramm, das 2021 nach Weiterentwicklung mit den Akteuren des Strukturwandels und unter Beteiligung der Bevölkerung vorgestellt wurde. Mit dem Programm setzt die Landesregierung gemeinsam mit dem Rheinischen Revier den inhaltlichen Rahmen für die durch den Bund mit dem Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen vorgegebene Förderkulisse.

Mit der Zukunftsagentur Rheinisches Revier existiert in der Region ein zentraler Knotenpunkt zur Steuerung und Koordinierung des Strukturwandels. Die Gestaltung des Strukturwandels im Rheinischen Revier ist ohne eine aktive Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger der Region, die die Veränderungsprozesse direkt miterleben, nicht denkbar. Deshalb hat die Zukunftsagentur Rheinisches Revier unter anderem die Erstellung ihres Wirtschafts- und Strukturprogrammes durch ein breit angelegtes Konsultations- und Beteiligungsverfahren zur Einbindung der Zivilgesellschaft begleiten lassen.

Die Revierverträge schreiben die Zielsetzungen und Maßnahmen von Land und Region fest. Sie verpflichten die politisch Verantwortlichen, den Strukturwandel wirtschaftlich und ökologisch umzusetzen und gemeinsam mit den Menschen vor Ort die Verantwortung einer Revier-Erneuerung zu übernehmen. Um den Strukturwandel ver­lässlich und verbindlich zu steuern und umzusetzen, hat die Landesregierung federführend (im Austausch mit der Zukunftsagentur sowie ihren Partnerinnen und Partnern in der Region) Meilensteine für die Erreichung strategischer Ziele festgelegt. Im Ziel- und Meilensteinplan werden bis 2030 die relevanten Entwicklungsschritte transparent aufgezeigt, deren Umsetzung eng begleitet. 

Zahlreiche von Bund und Land geförderte Projekte unterstützen den Strukturwandel im Rheinischen Revier. Die Projekte müssen dazu eine hohe fachliche Qualität aufweisen und im Konsens mit der Region entwickelt werden. Um zu ermitteln, welche Vorhaben strukturwirksam, förderwürdig und förderfähig sind, wurde bislang ein sogenanntes „Sterneverfahren“ angewandt. 

Als neues Regelverfahren kommt seit 2024 ein Dialogverfahren zur Anwendung, das sich noch zielgenauer auf die für den Erfolg des Strukturwandels erforderlichen Projekte konzentriert sowie die Vorhabenträgerinnen und Vorhabenträger bei der Qualifizierung und Beantragung ihrer Projekte intensiv unterstützt.

Gemäß dem Leitbild, das die Kompetenzen des Reviers nutzt, sollen bedeutsame Fortschritte in den folgenden Zukunftsfeldern erreicht werden:

Das Rheinische Revier hat über 100 Jahre zur sicheren Energieversorgung und industriellen Entwicklung in Deutschland beigetragen. Um die Region als leistungsstarken Industriestandort zu erhalten, wird mit dem Ausstieg der Kohleverstromung ein Wandel zu einer klimaneutralen Vorbildregion in Deutschland und Europa angestrebt. Wasserstoff, Wind- und Solarenergie sowie Wärmespeicherkraftwerke sind die neuen Grundlagen für einen innovativen und zukunftsfähigen Industriestandort, der neue Unternehmen ins Rheinische Revier lockt und neue Arbeitsplätze schafft.

Die für den Strukturwandel notwendige Ressourcenwende setzt im Rheinischen Revier auf Kreislaufverwertung und eine bio-basierte Wirtschaft. Im Rahmen dessen werden Ressourcen effizienter genutzt, der Gesamtverbrauch natürlicher Ressourcen reduziert und fossile Ressourcen durch erneuerbare Energieträger ersetzt. Im Fokus stehen dabei Landwirtschaft, Lebensmittel- und Futtermittelproduktion, die Papier-, Textil- und Chemieindustrie sowie die Kunststoffwirtschaft.

Für neue Wertschöpfung und Arbeitsplätze werden innovative Unternehmen und qualifizierte Fachkräfte gebraucht. Das Rheinische Revier soll daher zu einer Region werden, die innovativen Unternehmen optimale Bedingungen bietet. Die regionalen Wissenschafts- und Hochschuleinrichtungen sorgen für den notwendigen sowie dynamischen Wissens- und Technologietransfer. Um den Fachkräftebedarf zu decken, wird gleichzeitig die Aus- und Weiterbildung im Rheinischen Revier gestärkt. 

An den Orten der heutigen Braunkohletagebaue entstehen riesige Seen und neue Landschaften. Das Rheinische Revier soll zeigen, wie moderne, ressourcenschonende Stadt- und Landentwicklung geht. Dazu zählt nicht nur die nachhaltige und bedarfsgerechte Transformation des öffentlichen Nahverkehrs und der individuellen Mobilität, sondern auch eine Raumstrategie, die den Bedarf von Landwirtschaft, Wohnflächen, Naturräumen und Industrie berücksichtigt.

Die Internationale Bau- und Technologieausstellung "Rheinisches Zukunftsrevier" soll in den Jahren 2025 bis 2035 die verschiedenen Maßnahmen in den Zukunftsfeldern präsentieren. Ziel ist es, einem großen Kreis von Interessenten den Strukturwandel im Rheinischen Revier in einem international ansprechenden Format vorzustellen und die Region als erste klimaneutrale und nachhaltige Industrieregion Europas zu vermarkten. 

Zentrale Projekte für eine erfolgreiche und beschleunigte Umsetzung des Strukturwandels im Rheinischen Revier sind die sogenannten Ankerprojekte. Zu den Ankerprojekten gehören zugeordnete Projekte, die Strahlkraft über das regionale Umfeld hinaus entwickeln. Die Vorhaben wurden durch die Landesregierung unter enger Einbindung der Region ausgewählt. Viele von ihnen befinden sich bereits in der Umsetzung und machen den Strukturwandel sichtbar und greifbar für die Menschen vor Ort.

Erfolgreiche Projekte

Das Rheinische Revier macht Tempo auf dem Weg in eine starke, lebenswerte und klimaneutrale Zukunft. Der gerade vorgelegte Evaluierungsbericht zeigt: Es gibt mehr Arbeitsplätze, mehr Innovation, mehr Erneuerbare Energien.  Effekte der 2020 gestarteten Strukturförderung von Bund und Land sind deutlich spürbar. 

Mittlerweile sind annähernd 500 Projekte am Start oder komplett bewilligt. Einige Beispiele:

Mit der Entwicklung des ehemaligen Polizeipräsidiums hin zu einem Wissens- und Innovationscampus treibt die Stadt Mönchengladbach den erfolgreichen Wandel zur Wissensgesellschaft in der Region voran und wird damit ihrer Rolle als Hochschulstandort und Oberzentrum des Kernreviers gerecht. Genutzt wird der Campus u.a. für Bildungsangebote, ein Gründer- und Mittelstandszentrum sowie Freizeit- und Mobilitätsangebote. 

Das Projekt ist ein zentraler Bestandteil der freizeittouristischen Entwicklung im Umfeld des entstehenden Indesees und besteht aus baulichen Maßnahmen, z.B. des Besucherzentrums, sowie aus Beteiligungsformaten mit identitätsstiftenden Angeboten.

 

Im Zentrum des Vorhabens steht die Kombination der heute schon im Rheinischen Revier exzellenten Produktionstechnik mit digitaler Innovationsfähigkeit und hoher Veränderungsgeschwindigkeit, mit dem Ziel das CDVP als Forschungsleuchtturm und Wertschöpfungstreiber in der Industrie, Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft zu verankern und aktuelle Geschäftskonzepte im digitalen Zeitalter neu zu denken. Im März 2025 haben wir den Spatenstich für das CDVP als innovative Pilot- und Forschungsfabrik gefeiert.

Die Textilfabrik 7.0 in Mönchengladbach treibt die Transformation der Textilwirtschaft voran und entwickelt eine wettbewerbsfähige Industrieproduktion der Zukunft am Beispiel der Textil- und Modewirtschaft. Übergeordnete Ziele sind die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen und die Weiterentwicklung von Technik und Konzepten – Nachhaltige Produktionsmethoden und Ressourceneinsatz, Kreislaufwirtschaft oder konsequente Digitalisierung in Richtung KI – für die Branche.

Zur nachhaltigen Papierproduktion bedarf es erheblicher Technologiesprünge, da Effizienzsteigerungen in bestehenden Prozessen weitestgehend ausgeschöpft sind. Das regional vernetzte Reallabor Modellfabrik Papier soll die Entwicklung dieser für das Rheinische Revier bedeutenden industriellen Wertschöpfungskette vorantreiben.

Bei der Modellfabrik Papier in Düren sind bereits alle fünf Teilprojekte bewilligt. Mitte Mai 2025 erfolgte der feierliche Spatenstich im Innovationsquartier in Düren als sichtbarer Startschuss für den Bau des Forschungsgebäude.

 

Mit dem Reallabor wird eine Forschungsinfrastruktur geschaffen, die das Potenzial der Tiefengeothermie in Nordrhein-Westfalen erforscht. Im ersten Schritt erfolgt eine geophysikalische Untersuchung des Untergrundes in der Städteregion Aachen. Perspektivisch sollen von hier aus Kommunen und Unternehmen des südlichen Rheinischen Reviers mit Erdwärme versorgt werden.

Synthetische Kraftstoffe aus Luft, Wasser und Solarenergie sind wesentlich für das zukünftige Energiesystem. Das Institut entwickelt hierfür die notwendigen Technologien und spielt eine Schlüsselrolle im Strukturwandel der Energieregion. Know-how im Energiebereich bleibt der Region erhalten und wird ausgebaut, Fachleute erhalten neue Perspektiven.

Hier entsteht ein innovatives Bildungszentrum für die ergänzende Aus- und Weiterbildung im produzierenden Gewerbe, insbesondere im Handwerk. Neue Bildungsschwerpunkte in Bereichen der ökologischen Transformation und moderne Lehrwerkstätten für einen praxisnahen Umgang mit zukunftsrelevanten Technologien, z.B. KI, Robotics, Quantencomputing, leisten wichtige Beiträge zur Fachkräftestärkung.

Vorhabenträgerinnen und -träger können noch bis zum 31.12.2025 Projektskizzen für die Förderangebote der Landeskomponente einreichen. 370 Projekte befinden sich aktuell im Bewilligungsverfahren. Damit diese zügig an den Start gehen können, konzentrieren sich die Zukunftsagentur Rheinisches Revier, die Bezirksregierung Köln, der Projektträger Jülich, die Kommunen und die Landesregierung in 2026 auf die Qualifizierung und Bewilligung dieser Projekte. Weiterhin möglich sind Projektanträge in der standardisierten Breitenförderung. Beispielsweise beabsichtigen wir aufgrund des großen Erfolgs des Förderprogramms der Energetischen Sanierung die Mittel auf bis zu 200 Mio. Euro zu verdoppeln. Die zweite Förderphase der Strukturförderung im Rheinischen Revier startet Anfang 2027 mit weiterentwickelten Förderangeboten. Für Bundesprogramme können ebenfalls weiter Anträge gestellt werden.

Stabsstelle Strukturwandel Rheinisches Revier

Die Stabsstelle Strukturwandel Rheinisches Revier ist auf der Landesebene für die Prozesse des Strukturwandels im Rheinischen Revier zuständig. Sie fungiert hierbei als Koordination innerhalb der Landesregierung und begleitet die Staatskanzlei fachlich bei der Arbeit mit der Bundesregierung. Darüber hinaus unterstützt sie die Akteure in der Region, vertreten durch die Zukunftsagentur Rheinisches Revier, bei der Konzeption, Umsetzung und Fortentwicklung eines Wirtschafts- und Strukturprogramms. Die Stabsstelle übernimmt die regionalökonomische und fördertechnische Gesamtverantwortung.

Leiter der Stabsstelle ist Christian Dinnus
Kontaktdaten: Telefon 0211-61772-405; Mail: christian.dinnus[at]mwike.nrw.de (christian[dot]dinnus[at]mwike[dot]nrw[dot]de)