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Bioökonomie und Biotechnologie

Bioökonomie und Biotechnologie

Die Bioökonomie und die Biotechnologie sind zentrale Zukunftsfelder für Nordrhein-Westfalen. Sie erhöhen die Resilienz der Wirtschaft gegenüber Krisen, Lieferkettenausfällen und Rohstoffengpässen sowie den Folgen des Klimawandels. Langfristig sichern sie Wettbewerbsfähigkeit, wirtschaftliche, technologische und rohstoffliche Souveränität sowie gesellschaftlichen Wohlstand – ökonomisch, ökologisch und sozial. 

Bioökonomie

Was ist Bioökonomie?

Die Bioökonomie steht für eine ressourcenschonende Gesellschaft, in der wirtschaftlicher Erfolg und Nachhaltigkeit untrennbar miteinander verbunden sind. Als ganzheitliches Wirtschaftskonzept orientiert sie sich an den Stoffkreisläufen der Natur. Sie nutzt natürliche Ressourcen und wendet biologische Prinzipien an. Sie schafft neue nachhaltige Wertschöpfungsnetze, liefert einen wichtigen Anteil des Rohstoffportfolios einer nachhaltigen Industrie und verringert Treibhausgasemissionen. Ihre Vielschichtigkeit macht sie zu einem transformativen, aber auch anspruchsvollen Konzept – sie vereint Hightech mit Ökologie, Resilienz mit Effizienz. 


Für die Landesregierung umfasst die Bioökonomie in Anlehnung an die Definition des Bundes die Erzeugung, Erschließung und Nutzung biologischer Ressourcen, Prozesse und Systeme, um Produkte, Verfahren und Dienstleistungen in allen wirtschaftlichen Sektoren für ein zukunftsfähiges Wirtschaftssystem bereitzustellen. Dazu gehört auch die Nutzung von kohlenstoffhaltigen Rohstoffen aus der Technosphäre (Re- und Upcycling) und gasförmigen Quellen (Recapture), solange diese Nutzung biologische Prinzipien oder Prozesse anwendet.


Bioökonomie-Strategie und Aktionsplanprozess

Mit der Bioökonomie-Strategie NRW 2026 legt die Landesregierung NRW einen kohärenten Rahmen vor, der strategische Leitlinien und Handlungsfelder definiert und eine Ausgangsliste von Zielen und Maßnahmen zusammenstellt – als Grundlage für konkrete Aktionspläne, die jetzt erarbeitet werden. 

Jetzt mitmachen: Auf Beteiligung.NRW können alle Interessierten bis zum 16.08.2026 ihre Prioritäten für die Aktionspläne einbringen und die Umsetzung der Bioökonomie-Strategie konkret mitgestalten.

Die Landesregierung möchte bis 2045 Nordrhein-Westfalen zu einem international führender Bioökonomie-Standort entwickeln. Weltweit nachgefragte und regional genutzte biobasierte Produkte sollen hier produziert werden und biologische Produktionsprozesse aus NRW global Standards setzen. In einem offenen Innovationsökosystem sollen Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam bioökonomische Lösungen entwickeln, von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung, vom Start-Up bis zum Global Player. 

Zur Verankerung ressortübergreifender Zusammenarbeit wurde Ende 2023 die interministe­rielle Arbeitsgruppe für Bioökonomie eingerichtet und der 15-köpfige Bioökonomie-Rat NRW als unabhängiges, ehrenamtliches Expertinnen- und Expertengremium berufen. Der Rat hat 2024 seine Arbeit aufgenommen, eine Vision für die Bioökonomie in Nordrhein-Westfalen entwickelt, darauf aufbauend Empfehlungen formuliert und diese der Landesregierung übergeben. Diese Empfehlungen sind in den Erstellungsprozess der Bioökonomie-Strategie NRW 2026 eingeflossen. Die Strategie stellt damit einen wichtigen Meilenstein im laufenden Strategieprozess dar; im nächsten Schritt folgt die Erarbeitung konkreter Aktionspläne.

Ausgangslage in Nordrhein-Westfalen

Nordrhein-Westfalen bringt für die Bioökonomie einzigartige Voraussetzungen mit. Leistungsfähige Unternehmen, eine starke Start-up-Szene, exzellente Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie qualifizierte Fachkräfte treffen hier auf eine Infrastruktur, die ihresgleichen sucht. Ländliche Räume mit biobasierten Rohstoffpotenzialen, gewachsene Industriestandorte mit eng vernetzten Produktions- und Verbundstrukturen und dynamische Metropolregionen als Innovations- und Absatzmärkte. Was Nordrhein-Westfalen auszeichnet, ist nicht eine einzelne Stärke – sondern das Zusammenspiel all dieser Faktoren. 

Gemäß dem vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderten Bioökonomie Monitoring-Bericht 2024 entfallen in Deutschland rund 7 % der Beschäftigung und 5 % der Bruttowertschöpfung auf bioökonomierelevante Bereiche, darunter die beschäftigungsintensive Landwirt­schaft. Bislang existieren keine regelmäßig erhobenen Zahlen dazu, welchen Anteil die Bioökonomie an der Gesamtwirtschafts­leistung in Nordrhein-West­falen ausmacht, denn Produktionsstatistiken berücksichtigen in der Regel nicht, ob bzw. zu welchen Anteilen ein Produkt aus biobasierten Rohstoffen hergestellt wurde oder ob biotechnologische Prozesse bei der Herstellung eine Rolle gespielt haben. Trotzdem dürfte die Wertschöpfung der Bioökonomie in Nordrhein-Westfalen über dem Bundesdurchschnitt liegen, wie ein Blick auf bioökonomisch relevante Sektoren in Nordrhein-Westfalen verdeutlicht. Sektorenübergreifend sind in Nordrhein-Westfalen rund 800.000 Menschen in bioökonomierelevanten Bereichen beschäftigt, die einen Gesamtumsatz von rund 190 Mrd. EUR erwirtschaften – ein Indikator für das wirtschaftliche Potenzial, das die Bioökonomie in Nordrhein-Westfalen in Zukunft entfalten könnte 1.

Neben den Wirtschaftssektoren, die biobasierte Rohstoffe produzieren oder verarbeiten, sind für die Bioökonomie auch jene Sektoren von Bedeutung, die biologische Prozesse und Prinzipien zur Herstellung von verarbeiteten Produkten anwenden. Eine besonders wichtige Rolle spielt hier die Biotechnologie, die gerade in Kombination mit Künstlicher Intelligenz besonders hohes Potenzial für Innovation mit sich bringt. Enzymatische Produktions- und Aufbereitungsschritte, Fermen­tation in der Chemie und Ernährungs­wirtschaft und die Herstellung von biologischen Wirkstoffen in der Pharma­industrie sind Beispiele für bereits etablierte biotechnologische Prozesse.

1Die genannten Beschäftigten- und Umsatzzahlen beziehen sich auf Sektoren, in denen biobasierte Rohstoffe, Produkte oder Prozesse eine wesentliche Rolle spielen. Sie geben keinen Aufschluss darüber, welcher Anteil der jeweiligen Wertschöpfung unmittelbar bioökonomisch ist.

Biotechnologie

Die breiten Einsatzmöglichkeiten der Biotechnologie machen sie zu einer der wichtigsten Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts, sie gehört zu den dynamischsten Technikfeldern unserer Zeit. So trägt sie nicht nur zur Verwirklichung einer individualisierten Medizin mit schonenderen und zugleich effektiveren Therapien bei, sondern ihr Einsatz kann auch zum Ersatz fossiler Rohstoffe durch biobasierte Alternativen, zur Optimierung von industriellen Prozessen, zur Entwicklung völlig neuer Materialien mit wünschenswerten Eigenschaften, zu mehr Ernährungssicherheit, geringerer Umweltbelastung und stabileren Argarsystemen, zu weniger Ressourcenverbrauch und geringerer Importabhängigkeit führen.


Nach der Definition der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist Biotechnologie die Anwendung von Wissenschaft und Technik auf lebende Organismen, Teile von ihnen, ihre Produkte oder Modelle von ihnen zwecks Veränderung von lebender oder nichtlebender Materie zur Erweiterung des Wissensstandes, zur Herstellung von Gütern und zur Bereitstellung von Dienstleistungen.


Die Biotechnologie ist ein entscheidender technologischer Treiber der Bioökonomie.