Einsatz der Blockchain-Technologie in der Verwaltung

Neue Technologie zum Vorteil der Bürgerinnen, Bürger und der Wirtschaft

Nach einer Veröffentlichung 2008 von Satoshi Nakamoto wurden die ersten Kryptowährungen realisiert. Diese sind heute bereits Standard und haben sich etabliert.

Dahinter steht die Technologie der Blockchain: Ein System, welches auf verteilter Datenhaltung, Unveränderbarkeit und Fortschreibung aufgrund von Konsens der Beteiligten basiert. Blockchain ist auch bekannt als Distributed-Ledger-Technologie (verteiltes Kassenbuch).

Ursprünglich sollte die Technologie dazu dienen, den Geldverkehr zu beschleunigen und die Dienstleistungen der Banken möglichst gering zu halten. Andere Verwendungsmöglichkeiten haben sich jedoch aus den Grundfunktionalitäten ergeben: Zu nennen sind Anwendungen für die Erstellung unveränderlicher und manipulationssicherer Nachweise (z.B. Eigentums- oder Qualifikationsnachweisen). Zudem ermöglichen klar definierte Rahmenbedingungen die selbstständige Vertragserfüllung, ohne dass eine natürliche Person in den Prozess eingreifen muss. Auch für das Verwaltungshandeln kann die Blockchain-Technologie daher Nutzen stiften.
Der CIO beschäftigt sich bereits seit Mai 2018 mit der Frage, in wieweit die Blockchain-Technologie auch für die Verwaltung und deren Prozesse eine geeignete Lösung sein könnte. Die Vorteile der Blockchain sind u.a.:

  • Dezentralisierung
  • Manipulationssicherheit
  • Ausfallsicherheit
  • Direkte Transaktionen
  • Optimierte Geschäftsprozesse

Mehr Sicherheit durch verteilte Datenhaltung, aber auch gesicherte Transaktionen sind dabei die Kernelemente, auf deren Grundlage z.B. neue Formen der Digitalen Identitäten oder auch Aspekte der Registermodernisierung abgebildet werden könnten. Der dezentrale Ansatz der Blockchain passt in den föderalen Kontext der deutschen, aber auch den regionalen Aufbau der europäischen Verwaltungsstrukturen.

Dabei ist zu betonen, dass es nicht „die“ Blockchain gibt. Für den Einsatz in der Verwaltung sind insbesondere Aspekte wie Governance, Nachhaltigkeit sowie Beachtung der datenschutzrechtlichen Regelungen entscheidend. Darüber hinaus ist es auch notwendig, dass gerade bei der Prüfung dieser neuen Technologien Synergien erzeugt und auch Informationen ausgetauscht werden.

Von diesen Paradigmen geleitet wurden auf Vorschlag des CIO mehrere Aktivitäten initiiert oder durch fachkundiges Personal unterstützt. Die dort entwickelten Ideen sind teilweise schon realisiert.

Koordinierungsprojekt „Blockchain“ des IT-Planungsrates

Mit Beschluss vom 12. März 2019 hat der IT-Planungsrat die Einrichtung des Koordinierungsprojekts „Blockchain“ beschlossen. Unter Federführung des CIO treffen sich Vertreter des Bundes, der Länder und Kommunen.
Folgende Ziele wurden vereinbart:

  • Abstimmung der Blockchain-Bestrebungen der Verwaltungen von Bund, Ländern und Kommunen
  • Wissenstransfer mit anderen Entwicklungen in Deutschland und Europa (Technik, Use Cases usw.)
  • Perspektivisch: Konzept einer deutschlandweiten gemeinsamen Government-Chain und Nutzung gemeinsamer Use Cases
  • Informationsaustausch über Veranstaltungen oder Neuigkeiten zum Thema „Blockchain“ unter den Mitgliedern des Koordinierungsprojektes 

European Blockchain Partnership

Im April 2018 wurde die European Blockchain Partnership (EBP) gegründet. Neben der EU-Kommission nehmen alle Mitgliedsstaaten sowie Norwegen und Liechtenstein teil. 

Ziel der EBP ist der Aufbau einer European Blockchain Service Infrastructure und der Betrieb einzelner Anwendungen (Use Cases). Für Deutschland ist das Bundeswirtschaftsministerium der Partnership beigetreten. Wegen der engen Verzahnung von EBP und dem Anwendungsgebiet „Public Sector“ (Verwaltung) hat der CIO das Bundeswirtschaftsministerium unterstützt. Insbesondere hat sich der CIO für die Einrichtung der Selbstverwalteten Digitalen Identitäten (Self Sovereign Identity - SSI) stark gemacht. Diese Technologie hat das Potenzial, eine neue, nutzerzentrierte Möglichkeit der Authentifizierung im E-Government, aber auch im täglichen Leben zu werden. Der Vorschlag aus NRW wird aktuell als „European Self Sovereign Identity Framework (ESSIF)“ umgesetzt.

Netzwerk Digitale Nachweise (NDN)

Mehrere Akteure der Bundesrepublik Deutschland haben es sich zum Ziel gesetzt, das Zeugniswesen zu digitalisieren und dabei fälschungssicher und arbeitseffizienter zu gestalten. Auf Initiative des CIO wurde dazu die Community „Netzwerk Digitale Nachweise - NDN“ gegründet.

Das erstellte Whitepaper fasst die Ergebnisse der bisherigen Analyse- und Diskussionsphase zusammen.
Technische Grundlage ist die Blockchain, die jedoch primär als Speicher von Hash-Werten, also einer Prüfsumme der digitalen Zeugniskopie, benutzt wird.

Das Konzept soll in einem erweiterten Kreis von Schulen, Hochschulen, Ministerien und Unternehmen validiert und zu einem Standard für eine deutschlandweite Lösung führen.

Der CIO konnte stellvertretend für NDN den ersten Platz beim eGovernment-Award 2020 als bestes Kooperationsprojekt erzielen. NDN beschäftigt sich aktuell auch mit einer weiteren neuen Technologie, den „Nachweisens als Verifiable credentials“. Dies geschieht in enger inhaltlicher und personeller Verzahnung mit der European Blockchain Service Infrastructure (diploma) und auch dem Projekt „IDunion“ im Förderprojekt „Schaufenster sichere digitale Identitäten“ (siehe unten). Dabei soll es nicht nur um den Bereich Schule und Bildung in Form von Zeugnissen gehen. Auch andere Formen von Nachweisen, z.B. Zugangserlaubnis zu Liegenschaften (Bundeswehr / Chemieparks) werden mit dem Ziel betrachtet, auf papiergebundene Besucherscheine zu verzichten.

Projekt „DIGIZ NRW“

Beachtung hat das Whitepaper des NDN im Kontext des OZG-Themenfeld „Bildung“ gefunden. Es wird aktuell der bundesweite Einsatz dieser Lösung geprüft. Auf Grundlage des Whitepapers vom NDN wurde das Projekt „DIGIZ NRW“ unter Leitung des CIO NRW und Beteiligung der Ministerien für Schule und Bildung (MSB) sowie Kultur und Wissenschaft (MKW) gestartet, um diese Lösung zu prüfen. Weitere Beteiligte sind Universitäten (TU Köln, RWTH Aachen und Fernuni Hagen) sowie die Stiftung für Hochschulzulassung. Mit der Initiative sollen sowohl Schulzeugnisse als auch Abschlusszeugnisse in Handwerk, Industrie und Handel bestätigt werden. Bereitgestellt wird DIGIZ.NRW durch die Bundesdruckerei. Der Feldtest, den NRW im Jahr 2021 durchgeführt hat, konnte erfolgreich abgeschlossen werden. In 2022 soll ein zweiter Feldtest mit einem größeren Teilnehmerkreis stattfinden.

Beitritt zur Genossenschaft „Govdigital“

Das Land Nordrhein-Westfalen, vertreten durch den CIO , ist im Jahr 2021 der Genossenschaft „govdigital eG“ beigetreten. govdigital stellt eine produktive Blockchain Infrastruktur bereit, um über dezentrale Blockchain-Knoten sichere und vertrauenswürdige Anwendungen für die öffentliche Verwaltung zu betreiben. Dies ist insbesondere notwendig, um sowohl Aspekte der Governance, als auch der Nachhaltigkeit umzusetzen. Governance bedeutet in diesem Zusammenhang, dass nur bestimmte Stellen – die an der Genossenschaft beteiligten Stellen – in die Blockchain schreiben dürfen. Nachhaltigkeit bedeutet, dass sowohl die Organisationsform als auch die verwendete Technologie die Energieeffizienz berücksichtigen. In Kooperation mit IT.NRW wird dazu auch ein sogenannter Knoten als Beitrag zu der Infrastruktur für Blockchain-Anwendungen aufgebaut. Das Projekt „DIGIZ NRW“ nutzt die Blockchain von govdigital.

Schaufenster sichere digitale Identitäten

Die Bedeutung von neuen Digitalen Identitäten ist für Gesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung sehr groß. Aus diesem Grund hat das Bundeswirtschaftsministerium das Förderprojekt „Schaufenster sichere digitale Identitäten“ initiiert. Durch den CIO ist das Land Nordrhein-Westfalen dem Konsortium IDunion als assoziierter Partner beigetreten.

Dieses Signal soll deutlich machen, dass NRW auch im Bereich Digitaler Identitäten mit neuen Lösungsansätzen für das E-Government, auch im Kontext der europäischen Bestrebungen wie EBSI, vorangeht. Die Technologie „Self sovereign identity (SSI)“, bei der nicht nur die Zielrichtung einer „Identitätslösung wie dem neuen Personalausweis“ im Vordergrund steht, sondern auch Nachweise unterschiedlicher Herkunft (Impfausweis, Führerschein, Bescheinigung der Zuverlässigkeit etc.) bei Bürgerinnen und Bürgern gespeichert und in Geschäftsprozessen vorgelegt werden können, könnte zukünftig in vielerlei Hinsicht sinnvoll einsetzbar sein.

Aufgrund der Teilnahme und teilweise auch Leitung der genannten Arbeitsgruppen trägt NRW aktiv zum Einsatz von Blockchain auf Ebene der Verwaltungen von Bund, Ländern und Kommunen bei. Durch die stetige Identifizierung neuer Anwendungsgebiete sowie der Planung, Organisation und Ausführung verschiedener Use Cases ist der CIO zentraler Technologie-Treiber in der Landesverwaltung sowie in Europa.